AIV- Treff 27.Juni 2012 – "Besichtigung der Elbbrücke Schönebeck"

Heute konnte die eigentlich schon für den Monat Mai geplante Besichtigung eines wesentlichen Teiles der Baumaßnahme des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und des Landes Sachsen-Anhalt - B246a - Ortsumgehung Schönebeck – stattfinden. Es handelte sich um die Elbüberquerung. Die ungewohnte Zeit, an einem Mittwochvormittag um 11Uhr, war notwendig geworden, um dabei die Montage eines 18,5 m langen Stahlsegmentes im freien Vorbau über dem Stromfeld der Elbe mit beobachten zu können. Der 73 m hohe Pylon der Brücke war bei der Anfahrt schon von weitem sichtbar.



An der Baustelleneinfahrt am linkselbischen Ufer wurde die Gruppe "baustellenmäßig" ausgerüsteter Brückenbauinteressierter des AIV-Magdeburg (Schutzhelm, S2-Schuhe!) dann von Hartmut Rhein, Leiter des Schifffahrtsbüros im Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Magdeburg , und Rüdiger Schmidt von der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt in Empfang genommen. Interessant war übrigens, dass an der Besichtigung auch unser Vorsitzender Friedrich Koop teilnahm, der als Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes der Vorgesetzte von Hartmut Rhein ist. Hier wurde er nun von seinem Mitarbeiter "geführt". Für uns war diese Führung besonders interessant, weil wir dadurch viele Informationen über den Arbeitsbereich unseres Vorgesetzten erhielten. Doch jetzt erfuhren wir erst einmal etwas über die imponierenden Dimensionen des Bauwerks, das Teil des 3.Planungsabschnittes des o.g. Gesamtvorhabens ist:

Die Gesamtlänge beträgt 1128,5 m, davon die beiden Vorlandbrücken mit 309 m und 330,5 m und die Strombrücke mit 489 m, hiervon der stützenfreie Bereich im Stromfeld mit 185m Länge. Die Nutzbreite der Brücke beträgt 11,6m. 37,5 Millionen Euro kostet dieser Planungsabschnitt, 5 Millionen davon hat der Straßenanteil gekostet. Fertigstellungstermin ist nunmehr im Jahr 2013, nachdem im Jahr 2010 mit den Baumaßnahmen begonnen wurde. Um solch ein Bauwerk zu errichten, sind natürlich erhebliche Mengen an Baumaterial (u.a. 27.000 m³ Beton, 4.680 t Stahl) durch die bauausführende Arge Kirchner-Donges-Bad Hersfeld und Darmstadt zu verarbeiten. Die Planung hierzu erfolgte durch lap-consult (Leonhardt, Andrä und Partner) Dresden, den weltweit operierenden Brückenspezialisten, in Gemeinschaft mit Dr. Löber-Ingenieurgesellschaft Halle, die Prüfung durch die Arge Prof. Müller Magdeburg-Prof. Hanswille Bochum. Die Bauoberleitung/Bauüberwachung Bauoberleitung/Bauüberwachung hat die Arge Obermayer-Lavis-Halle.

Soviel zu den Grundinformationen, denn nun begann die Begehung mit weiteren, jetzt hauptsächlich bautechnischen, Informationen durch Hartmut Rhein, entlang der bis zu 44m weit gespannten einstegigen Spannbeton-Plattenbalken auf hohen, pilzförmigen Pfeilern. Diese sind wegen des aggressiven Baugrundes nicht auf Bohrpfählen, wie ursprünglich vorgesehen, sondern flach gegründet, in Spundwandkästen. Da kam man schnell ins Gespräch über technische Einzelheiten, Erinnerungen an eigene Bauvorhaben ließen die Augen aufleuchten. Bald war der hohe Pylon, über dessen Kopf schon ein Teil der Kabel (Gesamtzahl je 2x9 zum Stromfeld und 2x9 zur Rückverankerung) lief, erreicht. Hier wies Harmut Rhein dann auf eine Innovation hin – die Kabel bestehen aus Parallellitzenbündeln, die mit einer "Zustimmung im Einzelfall" eingebaut werden dürfen. Auf dem bisher fertiggestellten Teil der Brücke über dem Stromfeld stand schon der große Autokran und im Wasser positionierte sich das Transportschiff mit dem 18,5 m langen Stahlbauteil, hier "Schuss" genannt (10 Schüsse sind es insgesamt), das, zwecks Montage an die Brücke, schon bald gehoben wurde. Beim Blick auf die Anschlussstelle sah man die Routine der Monteure, die mit einer speziellen Vorrichtung diesen "Schuss" an den Vorgänger anspannten. Dann werden die Kabel eingeführt, vorgespannt und die Montagebelastung des neuen Brückenteils ist möglich, doch so einfach – wie hier geschildert - ist der ganze Prozess nicht, er lässt sich nur nicht mit allen Einzelheiten in der gebotenen Kürze beschreiben. Die näheren Einzelheiten lassen sich der umfangreichen Bilddokumentation über den Bauablauf im Internet auf www.elbbrücke.de entnehmen. Hier stand man einfach nur bewundernd da und staunte darüber, wie sich alles so fügt.

Auf dem Rückweg sprach man dann über den Nutzen und die allgemeine Faszination eines Brückenschlages - und welche Zierde doch eine gut gestaltete Brücke darstellt, egal ob nun in „Brückenblau“ gehalten oder nicht – eine Brücke "hat einfach etwas". Und so ist die unsägliche Geschichte der Dresdner Waldschlösschenbrücke an dieser Stelle kaum zu verstehen, denn die neue Brücke zwischen Schönebeck und Grünewalde wird die wunderbare Elblandschaft hier nur noch weiter aufwerten, getreu dem Schinkel'schen Motto, dass "landschaftliche Aussichten…ein besonderes Interesse… gewähren, wenn man Spuren menschlichen Daseins darinnen wahrnimmt". Soviel hier zur Poesie einer Brücke.

Mit einigen weiteren Gesprächen ging dann eine außerordentlich interessante und sehr gut geführte Baustellenbesichtigung dem Ende entgegen, für deren Vorbereitung und Durchführung den Verantwortlichen herzlich gedankt wurde.


Erich Deutschmann